Reviersport
2011.04.25
 
Die Hallenkönige heißen Phönix Essen
 
Schon der Gewinn der Essener Stadtmeisterschaft war eine echte Sensation. Und am Ostermontag setzte Phönix Essen noch einen Paukenschlag obendrauf.



Der Kreisligist, gleichsam die am tiefsten spielende Mannschaft im Turnier, siegte beim erstmals ausgetragenen Revier Masters. „Wir sind einfach ein Team“, sagte Trainer Arnd Krosch nach der Siegerehrung, „Das zahlt sich gerade in der Halle aus, weil wir auch in Unterzahl-Situationen erfolgreich sein können.“

Allerdings darf nicht unerwähnt bleiben, dass die Frohnhausener ihre Kreisliga-Staffel so gut wie gewonnen haben, während alle anderen Trainer darauf achten mussten, sich im Saison-Endspurt nicht personell zu schwächen. So trat beispielsweise der VfB Kirchhellen nur mit sieben Akteuren an, sodass sich auch der 44-Jährige Trainer Jörg Kulms das Trikot anzog. „Zwei Mann haben bei uns sogar durchgespielt“, sagte er im Anschluss, „mit vollem Kader hätten wir hier sicher besser abgeschlossen. Auch Saarns Trainer Olaf Rehman sprach exemplarisch für eine Reihe seiner Kollegen: „Ich habe sieben Spieler nicht mitgenommen. Aber was soll ich machen? Hier kann ich nur um Verständnis bitten.“

Überhaupt waren die beiden Mülheimer Vereine gute, weil vor allem beim Punktesammeln sehr zurückhaltende Gastgeber. Besser machten es da die beiden Vertreter aus Essen und Duisburg, die im Halbfinale unter sich waren. In diesem kam es unter anderem zum deutlichen 6:1-Sieg von Phönix gegen die mit der Bezirksliga-Truppe angetretenen Sportfreunde Hamborn, bei denen die erste Mannschaft zeitgleich in Tönisberg um Landesliga-Punkte spielte. Deren Coach Ali Güzel sah die Ursache für die Niederlage vor allem in der kurzfristigen Änderung der Spielplan, der vorsah, dass der FSV Duisburg nach dem letzten Gruppenspiel noch eine Pause bekommen sollte. „Da lagen wir noch draußen auf der Wiese und mussten ohne Vorbereitung auf den Platz. Wir haben das wirklich nicht mitbekommen.“

Weniger deutlich dominiert Phönix im Anschluss das Finale. Nach Toren von Sertan Malca und Tuncay Kurmaly reichte dem FSV Duisburg der Anschlusstreffer durch Coskum Erbay nicht mehr. „Die haben das verdient gewonnen, weil sie aggressiv gespielt haben“, gab Co-Trainer Ali Eken zu. Für uns ist die Liga wichtig, weil wir da noch um den Aufstieg in die Verbandsliga spielen.“

Darüber, wie man das Turnier annehmen soll, schienen sich die Beteiligten noch uneins. Zwar wurde an allen Ecken und Enden betont, dass das Revier Master gerade zu diesem Zeitpunkt der Saison den Charakter eines Just-for-fun-Turniers haben sollte, doch andererseits spielten sich Aktive und Zuschauer mehrmals wie wildgewordene Kampfhähne auf. Negativer Höhepunkt war hierbei die Begegnung zwischen Safakspor Oberhausen und Phönix Essen, die 1:18 Minuten vor dem Ende beim Stand von 1:1 kurz vor dem Abbruch stand. Schon in der Partie zuvor fiel der Safakspor-Anhang dadurch auf, dass er durchgehend Union Mülheims Abdul Haimani verbal attackierte. Nun konnte er nur mit Mühe davon abgehalten werden, das Feld zu stürmen. Zu den Tumulten, bei denen auch die RevierSport-Kamera kurzzeitig entwendet wurde – Bilder waren offensichtlich nicht erwünscht – sagte Safakspor-Trainer Özay Aydin im Anschluss: „Die Schiedsrichter haben konsequent gegen uns gepfiffen. Das ist Scheiße gelaufen.“

Üblicherweise kommt bei den Mülheimer Stadtmeisterschaften und dem an selber Stelle ausgetragenen NRW-Traditionsmasters ein hochwertiger Polytan-Kunstrasen zum Einsatz, doch wurde gestern aus Gründen der Kostenersparnis nur auf dem „nackten“ Hallenboden gekickt.

500 Zuschauer waren bei der Turnierpremiere dabei, so mancher Neugierige schaute vom Flohmarkt nebenan mal vorbei: Turnier-Organisator Manni Rixecker: „Damit sind wir für das erste zufrieden. Vor allem freue ich mich, dass wir gerade in der Gruppe B sehr ausgeglichene Spiele gesehen haben.“ Zudem bekräftige Rixecker noch mal den Wunsch, im kommenden Jahr weitere Stadtmeister aus dem Revier begrüßen zu dürfen.

Als bester Torschütze des Turniers wurde Rouven Zeitz (Hamborn 07) geehrt, der sieben Mal traf. Der Pokal für den besten Torwart ging an Marcel Ertmer (Phönix Essen).

Das Siegerteam von Phönix Essen: Marcel Ertmer, Felix Premph-Osei, Marcel Pilgram, Tuncay Kurmali, Ümit Jcöz, Bastian Thielert, Sertan Malca, Patrick Höftmann, Essadik Bantayeb, Erol Serin und Shangeeth Thangaratnam.

„Uns haben am Ende die Kräfte gefehlt“, sagt Rellinghausens Trainer Rolf Gramatke nach dem Halbfinal-Aus. „Wir hatten nur noch acht fitte Spieler und pfeifen aus dem letzten Loch.“

Für den Landesliga-Letzten Sterkrade 06/07 reichten sieben Punkte hingegen nicht zum Halbfinale. Trainer Jörg Szopinski: „Ärgerlich, denn wir haben die Turnierstart verpennt und danach gut gespielt. Für uns war das eine willkommene Abwechselung zum Abstiegskampf.“

Union Mülheims Trainer Franz Passek sah man relaxed auf der Tribüne, denn er überließ das Coachen Jo Bohra. „Die beiden ersten Spiele waren wir nicht so richtig da,“, so der Co, „Erst danach haben wir begriffen, dass man hier kämpfen muss. Die dachten wohl, hier kommt man von ganz alleine weiter.“

30 Grad in der Halle, aber Barisspor hatte aus Bottrop nur die Langarm-Trikots mitgebracht. „Macht nichts, denn wir laufen ja nicht viel und schwitzen nicht“, meint Akteur Tezcan Tuna.

Phönix Essen hatte nicht nur die lauteste Fangruppe, auch Trainer Arndt Krosch strapazierte im Spiel gegen den FSV Duisburg die Stimmbänder und wurde auf die Tribüne verwiesen. „Dabei habe ich dem doch nur gesagt, dass er mal objektiv pfeifen soll.“

Kommentar:
"Warum denn nicht?"

Haben Sie, lieber Leser, gerade mit dem Kopf geschüttelt? Womöglich lesen Sie diesen Artikel gerade durch die Sonnenbrille, die Adilette lässig am Zeh baumelnd, auf dem Balkon, im Kleingarten oder im schon geöffneten Freibad. Es ist So-gut-wie-Sommer und in Mülheim, wo die Hallenstadtmeisterschaft alljährlich ein gesellschaftliches Highlight ist, und wo sie auf dem großen Feld seit Jahrzehnten den höherklassigen Fußball nur aus den Medien kennen, tragen sie wieder die E-Jugend-Tore aus dem Geräteraum.

Zugegeben, wenn draußen mediterrane Verhältnisse herrschen, fehlt drinnen das passende Ambiente für Hallenfußball. Doch üblicherweise liegt der Ostermontag einen Monat früher, Schneeregen nicht ausgeschlossen. Das Wetter kann also kein Kriterium sein, wenn man sich daran macht, die erste Revierübergreifende Hallenmeisterschaft zu beurteilen.

Wo, wie bei den Stadtmeisterschaften in Dortmund, zu den lokalen Titelkämpfen bis zu 4.000 Zuschauer pro Turniertag in die Westfalenhalle kommen, haben regionale Meisterschaften eine Berechtigung. Es wäre wünschenswert, dass im nächsten Jahr weitere Stadtmeister anreisen. Die Idee hat mehrere Chance verdient.

Maik Thesing




 
Maik Thesing
 
 
 

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